Wie 10 Tage Vipassana Meditation mein Leben verändert hat

Wie 10 Tage Vipassana Meditation mein Leben verändert hat

Um mich ein bisschen der Klischeekiste zu bedienen. Ich bin weder vegan, noch zünde ich jeden Abend Räucherstäbchen um die bösen Geister zu vertreiben, wenn der Salzkristall auf meinem Nachttisch zu versagen scheint.

Ich liebe es einfach nur neue Dinge auszuprobieren und habe mich schon länger für Meditation interessiert.

Und wie es das Schicksal so wollte bin ich dann durch einen kompletten Zufall auf die Vipassana Meditation gestoßen, als mir ein Bekannter davon erzählt hat. Zuvor wusste ich nicht einmal, dass es so etwas gibt.

An dieser Stelle ich möchte hervorheben, dass dieser Bericht komplett subjektiv ist, da jede Person während der 10-tägigen Vipassana Meditation eine andere Erfahrung gemacht hat und machen wird. Das heißt, was ich doof fand, werdet ihr womöglich super finden. Oder auch andersherum.

Bevor ich jedoch von meiner Erfahrung berichte, eine thematische Einführung:

Was ist die Vipassana Meditation?

Vipassana ist eine über 2.500 Jahre alte Meditationstechnik aus Indien. Dabei bedeutet Vipassana auf (dem mittelindischen) Pali „Einsicht“. Die Übungen, um die Einsicht zu erlangen, nennen sich Vipassana Meditation. Dabei geht es im Wesentlichen um das Beobachten der Gegenwart, ohne diese zu Beurteilen.

Heutzutage spricht man in der psychologischen Literatur jedoch eher von Achtsamkeitsmeditation, anstatt einer Einsichtsmeditation.

Der Fokus während der Meditation liegt auf der Wahrnehmung von Körper und Geist. Dabei kann jeder die Vipassana Mediation praktizieren, da die Religionszugehörigkeit keine Rolle spielt.

 

Meine Vorbereitung auf die 10-Tägige Vipassana Meditation

 Ich bin als blutiger Anfänger zu der Vipassana Meditation gefahren. Zu dem Zeitpunkt hab ich gelegentlich mit der App Headspace meditiert, aber ansonsten war es das auch schon.

Im Nachhinein war das auch vollkommen in Ordnung so. Ich kann mir vorstellen, dass Menschen, die zuvor schon viel meditiert haben es einfacher haben an Anfang reinzukommen. Aber ich würde es rückblickend wohl genauso machen.

 

Meine Erfahrung vor Ort

Da ich mir zuvor gar keine Erfahrungsberichte durchgelesen habe, war ich super gespannt darauf, was mich die nächsten 10 Tage erwarten würde. Meine Meditation habe ich in Belgien gemacht.

Als ich dort ankam wurde jedem von uns ein Schlafplatz zugewiesen und da man in den nächsten Tagen weder lesen noch schreiben durfte, mussten wir unsere Handys, Bücher und Schreibblöcke abgeben. Es war ein sehr komisches Gefühl zu wissen, dass man plötzlich kein Handy mehr hatte. Ich glaube das letzte Mal war das bei mir 2002 der Fall.

Die Unterkunft sah aus wie eine gut gepflegte Jugendherberge. Ich hatte etwas Pech und kam in einem 6-er Zimmer unter. Was jedoch im Endeffekt halb so schlimm war.

Nachdem alle sich eingefunden haben, ging es zum ersten Mal in die Meditationshalle. Wir waren insgesamt ca. 80 Personen. Auf der einen Hälfte der Halle wurden Frauen und auf der anderen Hälfte den Männern feste Sitzplätze zugewiesen.

Und nach dem ersten Gong wurde die erste Meditationssession und damit auch die edle Stille eingeführt. Wir durften die nächsten neun Tage nicht mehr miteinander kommunizieren. Weder durch Worte, noch durch Blickkontakt.

 

Der Tagesablauf

Tagesplan

4:00 Aufstehen, Morgen-Glocke
4:30 –6.30 Meditieren (Zimmer oder Saal)*
6:30–8:00 Frühstückspause
8:00–9:00 Gruppenmeditation
9:00–11:00 Meditieren (Zimmer oder Saal)*
11:00–12:00 Mittagspause
12:00–13:00 Ausruhen, ggf. Gespräche mit Lehrern
13:00–14:30 Meditieren (Zimmer oder Saal)*
14:30–15:30 Gruppenmeditation im Meditationssaal
15:00–17:00 Meditieren (Zimmer oder Saal)*
17:00–18:00 Abendpause
18:00–19:00 Gruppenmeditation
19:00–20:15 Lehrer-Vortrag im Saal
20:15–21:00 Gruppenmeditation im Saal
21:00–21.30 Fragen an den Lehrer*
21:30 Uhr   Schlafen gehen


Die Tage hatten immer einen festen Ablauf. Dabei musste man nicht immer meditieren. Die Einheiten mit einem * waren freiwillig.

Ich habe sogar einige Male ausversehen verschlafen, weil ich meinen Wecker nicht gehört habe und bin dann panisch aufgeschreckt, weil ich das Frühstück nicht verpassen wollte. Prioritäten wurden gesetzt.

Und wenn man sich den Zeitplan mit den Pflichtmeditationen anschaut, kommt man auf 3:45h am Tag anstatt den angesetzten 11:15h. Also alles halb so wild.

 

Die nächsten Tage in edler Stille

An nächsten Morgen weckte uns ein Gong um 4:00 Uhr morgens aus dem Schlaf. Um 4:30 Uhr ging dann die erste Meditation los. Völlig übermüdet, aber trotzdem euphorisch, ging ich im stockdunkeln zur ersten richtigen Meditation. Es war ein schönes Gefühl so früh aufzustehen, jedoch nickte ich die ganze Zeit ein und war auch froh, als die Einheit zwei Stunden später vorbei war.

Danach kam das Highlight der nächsten Tage. Das Frühstück. Es war super lecker und reichhaltig.

Und nach einigen Tagen hatte ich auch herausgefunden, dass man am besten immer etwas früher da sein soll, damit man die heißbegehrte und streng limitierte Banane erwischen konnte. Also komplette Selbstlosigkeit habe ich in den 10 Tage bei der Vipassana Meditation dann auch nicht gelernt.

Der Rest des Tages bestand dann aus Meditation, Spaziergängen und Schläfchen.

Abends saßen wir dann alle noch einmal zusammen und hörten uns Vorträge von S. N. Goenka an, der uns dann etwas über die Meditationstechnik und Anreizen für ein besseres Leben gab.

Vieles war spannend, einiges fand ich persönlich ein bisschen zu esoterisch. Aber man muss ja nicht alles für bare Münzen nehmen. Da S. N. Goenka nicht mehr unter uns weilt, wurde das Ganze in Videoformat übermittelt. Hier ein Einblick, was euch erwartet.

Nach dem dritten Tag habe ich angefangen die Tage zu zählen, weil es doch recht hart war.

Es gab Tage an denen habe ich mich am Knirschen der Kieselsteine erfreut habe und mit einem Lächeln auf den Lippen einen Vogel beobachtet habe und andere Tage an denen ich das Gefühl hatte, dass alle um mich herum sich gegen mich verschworen haben.

Ich habe eine Achterbahn an Gefühlen erlebt.

 

Erfahrungen bei der Meditation

Die Meditation fiel mir am Anfang recht schwer, vor allem weil ich starke körperliche Schmerzen hatte. Meine Beine taten mir vom Stillsitzen unglaublich weh. Aber nach dem 3. Tag hat sich mein Körper daran gewöhnt und es war kein Problem mehr.

Das Ziel der Vipassana Meditation ist das Erlernen einer Technik um Gedanklich durch seinen Körper zu fließen können. Das Gefühl muss man selber einmal erlebt haben, es ist unmöglich es zu beschreiben. Aber ich habe es sogar teilweise hinbekommen und es war eine wundervolle Erfahrung, die jeder für sich machen muss. Alleine dafür hat sich die Meditationserfahrung für mich gelohnt.

Es gab viele Meditationssessions, an denen ich mich gefreut habe, dass die Stunde vorbei war, aber auch einige, wo ich fast schon traurig war, dass die eine Stunde so schnell rumgegangen ist.

 

Mein größtes Learning

Mein größtes Learning während der Zeit war dabei der Ausdruck „Anitsche“. Das heißt so viel wie, dass alles temporär ist. Und dieses Motto prägt auch vier Monate später noch meine Denkweise.

Bei der Meditation hatte ich am Anfang Knieschmerzen, aber als ich mich an das Motto, dass alles temporär ist, erinnert habe und meine Gedanken nicht auf den Schmerz gelenkt habe, ist der Schmerz nach einiger Zeit weggegangen.

Und auch im Alltag finde ich „Anitsche“ eine gute Einstellung. Denn wenn ich wütend oder traurig bin, steigere ich mich gerne in so etwas hinein.

Aber im Endeffekt – Wozu?

Man sollte das Leben nicht zu ernst nehmen, sondern sich einfach immer wieder in Erinnerung rufen, dass alles was kommt auch wieder geht. Seitdem nehme ich viele Situationen auch viel lockerer wahr.

 

Der Abschluss

 Am 9. Tag durften wir dann wieder miteinander reden. Am Anfang fand ich das super komisch und ich habe mich erst gar nicht getraut etwas zu sagen. Aber dann habe ich angefangen mich mit den anderen zu Unterhalten.

Es war ein unglaublich schönes Gefühl nicht mehr in in sich gekehrte Gesichter blicken zu müssen, sondern Lachen zu dürfen.

Ich habe das Lachen so vermisst.

 

Mein Fazit

Ursprünglich bin ich zur Vipassana Meditation gefahren, weil ich mich selber besserer kennen lernen wollte. Ich habe gedacht, ich würde Antworten auf einige Frage finden, die in meinem Kopf gestellt wurden. Gefunden habe ich etwas komplett anderes. Aber trotzdem waren die 10 Tage eine unvergessliche Erfahrung für mich.

Ich war super stolz auf mich, dass ich es wirklich durchgehalten habe.

An eurer Stelle würde ich diese Herausforderung auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen. Seid realistisch. Ihr werdet nicht erleuchtet da rauskommen und kein anderer Mensch.

Aber ich würde jedem empfehlen einmal diese 10 Tage mitzumachen. Denn ich finde jede Erfahrung, ob gut oder schlecht, bereichert das eigene Leben.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar